Handel, Handwerk und Wirtschaft

Im regionalen Wettbewerb geht es nicht mehr vorrangig um die Schaffung von Arbeitsplätzen, sondern um die Gewinnung von qualifizierten Arbeitskräften. Deshalb sind der Erhalt und die Schaffung von noch besseren Rahmenbedingungen zum Leben die Voraussetzungen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Kreisstadt Haldensleben.

 

Regionale Daseinsvorsorge und regionale Lebensqualität sind deshalb für mich zentrale Elemente guter Wirtschaftsförderung. Dieser Bereich wird mir direkt unterstellt sein, er wird gerade für kleine und mittlere Unternehmen eine Lotsenfunktion in der Stadtverwaltung übernehmen. So kann die schnelle Bearbeitung von Anliegen besser koordiniert werden. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit den Unternehmen Wege zu suchen und nicht Hindernisse aufzuzeigen.

 

Wirtschaftsförderung bedeutet für mich aber auch eine attraktive Heimat, generationenübergreifende Bildungsmöglichkeiten und gute Infrastruktur. Nach über 15-jähriger Tätigkeit an einer Hochschule bin ich der Ansicht, dass Ideenreichtum, Leistungswille und Innovationsfähigkeit der Menschen die Basis für den zukünftigen Erfolg der Unternehmen und des Handwerks sind. Deshalb werde ich das Innovations- und Gründerzentrum in Haldensleben reaktivieren und meine Hochschulkontakte für die Weiterentwicklung unserer Stadt nutzen. Ziel ist es, dass Haldensleben von der Kombination Wirtschaftsfreundlichkeit und Lebensqualität profitiert.

 

In Zukunft findet Wirtschaft nicht mehr nur in den Industriegebieten, sondern innerhalb der Altstadt in Form von Nachnutzung statt. Durch neue Nutzungskonzepte und kleinteilige Wirtschaft wird die Innenstadt belebt. Der Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft kann uns durch die Ansiedlung wissensgetriebener Unternehmen aber auch durch eine neue Gründermentalität gelingen.

Handel - hier sind neue Blickwinkel und Strategien erforderlich, um in der Zukunft erfolgreich zu sein.

Die Herausforderungen vor denen die Händler in unserer Innenstadt stehen sind folgende:

Onlinehandel, Geschrumpftes Angebot das Kunden abschreckt, Ladensterben, Leerstand, McDonaldisierung und wenig Aufenthaltsqualität – Corona hat da leider als Brandbeschleuniger gewirkt. Sinkende Kauffrequenz zwingt den stationären Einzelhandel zunehmend in die Knie – der Leerstand wird in Haldensleben immer deutlicher sichtbar. 

 

Wenn es um die Zukunft der Innenstadt geht, dann müssen wir den Strukturwandel als Chance begreifen. Dazu fallen mir folgende Stichwörter ein: Freiräume, Mobilität, Neuaufstellung stationärer Einzelhandel, neue Bewohnerschaft, Umnutzung zu Wohnen und Arbeiten, Integration von Mixed-Use Konzepten in die bestehende Stadtstruktur und Nachhaltigkeit.

Mischnutzung (Büro, Einzelhandel, Wohnen, Kultur, Bildung, Co-Working etc.) der Innenstadt führt zu einer Frequenzerhöhung, indem sich mehr Menschen dort aufhalten. Ein weiterer Punkt ist es, Freiräume neu zu denken mit einladender Architektur und Begrünung (mein liebstes Hobby).

 

Es wäre möglich, ein Förderprogramm zur kreativen Zwischennutzung ins Leben rufen. Frei- und Experimentierflächen für kreative Unternehmen sind ein rares Gut. Eigentümer stellen ihre leerstehenden Einzelhandelsflächen für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung, im Gegenzug erhalten sie aus dem Programm Leerstandkosten. Kreativschaffende zahlen einen Garantiebetrag von 1€ pro m². Die Differenz wird aus dem Programm ausgeglichen.

 

Zwischennutzungen können zum Frequenzbringer werden, wenn sie außergewöhnliche Projekte wie Ausstellungen von namhaften Künstlern präsentieren. Ich denke das vor allem kleine Labels aus dem Bereich Mode und Interior-Design das Potential als Pop-up-Store haben. Denkbar ist auch ein Reparatur-Cafe in der Innenstadt. Um sich länger in der Innenstadt aufzuhalten, sind längere Parkzeiten von Vorteil.

 

Und dann fällt mir noch der klassische Regionalmarkt ein – welcher, wenn er als Feierabendmarkt von 16.00 – 20.00 Uhr an einem Donnerstag oder Freitag stadtfindet - auch die Menschen anlockt, die am Vormittag ihrer Arbeit nachgehen. Da trifft man sich dann auf ein Glas Wein oder Bier, genießt die Leckereien und trifft Andere.

Handwerk - selten waren die Berufsaussichten im Handwerk so gut wie heute, denn qualifizierte Handwerker werden händeringend gesucht.

Es ist überfällig, dass sich in unserer Gesellschaft wieder ein stärkeres Bewusstsein dafür entwickelt, was Handwerk und duale Ausbildung bedeuten.

 

Zum Handwerk zählen mehr als 130 Berufe. Die Hälfte der Beschäftigten arbeitet im Bauhauptgewerbe und im Ausbaugewerbe. Dazu kommen Tätigkeiten bei den persönlichen Dienstleistungen, im Bereich der Kraftfahrzeuge, in der Nahrungsmittelherstellung sowie der Gesundheit. Jeder sechste Erwerbstätige arbeitet im Handwerk. Nachwuchs gibt es kaum.

 

15.000 Lehrstellen blieben 2020 in Deutschland unbesetzt. In den nächsten 10 Jahren steht für ca. 200.000 Handwerksbetriebe die Nachfolge an. Wir können es uns nicht leisten, dass diese Firmen ohne Nachwuchs bleiben! Haben Sie in letzter Zeit mal versucht gute Handwerker zu bekommen? Ich sage nur Fachkräftemangel.

 

Gleichzeitig verlassen Schülerinnen und Schüler unsere Schulen ohne Abschluss. Jede Investition in eine bessere Bildung ist eine Investition in die Zukunft unserer Region. Deshalb müssen wir auch hier gemeinsam bessere Maßstäbe schaffen.

 

Handwerksbetriebe verbinden handwerkliches Können und Servicequalität mit modernen Technologien. Einerseits sind sie für die breite und rasche Diffusion neuer Technologien, in die verschiedensten Branchen und Anwendungsfelder, verantwortlich, andererseits sind sie an neuen Entwicklungen maßgeblich beteiligt. Unsere Innovationsfabrik könnte ein Innovationszentrum für das Handwerk, bzw. eine Denkfabrik werden,  wo Schülerinnen und Schüler, Unternehmen aus Handwerk, Industrie, Handel und Dienstleistungssektor sowie Wissenschaft zusammenkommen und gemeinsam rund um den Themenkomplex Digitale Bildung forschen, lernen und sich austauschen können.

Wirtschaft - das Geschäftsmodell unserer Stadt lautet Attraktivität.

Entsprechend wissenschaftlicher Untersuchungen werden von Unternehmen die sich ansiedeln wollen, die Faktoren Lebens- und Aufenthaltsqualität, Kultur-, Sport- und Freizeitangebot sowie Einzelhandelsangebot und Nahversorgung sehr hoch bewertet. Somit die die weichen Standortfaktoren entscheidend - wozu insbesondere das Image einer Stadt und deren Verwaltungsspitze gehört.

 

Mein wichtigstes persönliches Ziel besteht deshalb darin, Vertrauen in die Amtsführung der Verwaltungsleiterin / Bürgermeisterin aufzubauen. Eine Kernaufgabe der Wirtschaftsförderung ist die Bestandspflege und Konsolidierung von Gewerbe- und Industriestandorten, dabei geht es insbesondere um die bedarfsabhängige Unterstützung hier ansässiger Unternehmen.

 

Um die Attraktivität von Haldensleben als Wohn- und Wirtschaftsstandort zu erhöhen, müssen wir zukünftig verstärkt auf die Verbesserung der weichen Standortfaktoren setzen - die Ideen für Haldensleben.

 

Unsere Heimatstadt gehört zu den bedeutsamsten Wirtschaftsstandorten Sachsen-Anhalts. Entsprechend dem Pendlersaldo kommen 6.000 Menschen mehr zum Arbeiten nach Haldensleben als Menschen die auspendeln. Die Wirtschaftszweige Logistik, Industrieproduktion und Maschinenbau sind stark vertreten - zukünftig ist vorrangig die Ansiedlung von produzierendem Gewerbe und Kreativwirtschaft anzustreben.

 

Wirtschaftliche Stärke hängt aber auch von anderen Faktoren ab. Neben der Arbeitslosenquote sind das, die Veränderung der Erwerbstätigenzahl im Vergleich zum Vorjahr, die Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen, das verfügbare Einkommen je Einwohner, die Veränderung des Bruttoinlandsprodukts zum Vorjahr, die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe und die Veränderung der Bevölkerungszahl zum Vorjahr. Bei diesen Faktoren liegen wir deutschlandweit im unteren Bereich.

 

Was macht die wirtschaftlich stärksten Städte in Deutschland aus?  In diesen ist das Thema Innovation von besonderer Bedeutung, sie führen regelmäßig in Innovations-Ranglisten, bundes- wie europaweit, bei Patentanmeldungen und sie haben eine hohe Ingenieurquote.

 

Wir könnten in der Innovationsfabrik Haldensleben eine Denkfabrik etablieren, in der nicht nur die Fachkräfte von morgen ausgebildet, sondern in den Laboren zusammen mit den Mittelständlern und Handwerksbetrieben Digitalisierungsstrategien entwickelt werden.